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Heilpraxis-Einblicke
Hahnemann und die
Miasmen
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Unter allen genialen Entdeckungen HAHNEMANNs, wie zum Beispiel
dem Ähnlichkeitsgesetz,
der Arzneimittelprüfung, der Dynamisierung und Potenzierung etc.,
nehmen die Miasmen aufgrund ihrer enormen Bedeutung einen ganz
besonderen
Platz ein.
HAHNEMANN erkannte außerdem, lange Zeit, bevor die
Anatomie, Pathologie
und Pathophysiologie es beweisen konnte, daß einzelne Zellen
ganze
Gewebeteile, Organe, wie auch der Organismus in seiner Gesamtheit sich
nicht nur in destruktiv, perverser Weise verändern können,
sondern
auch im Sinne eines Mangelzustandes oder Exzesses bzw. einer
Überfunktion.
Sanchez Ortega schreibt : „Diese Erscheinungen sind
bekanntlich die
einzigen Formen, in denen sich Zell-, Organ- und Körperfunktion
verändern
können. Alle Veränderungen in einer Zelle sind der
morphologische
Ausdruck des Übergangs zwischen Normalität und Tod. Es
handelt
sich dabei um jene Phänomene, bei welchen eine anormale
Verminderung
der metabolischen und funktionalen Fähigkeiten (aufgrund einer
Fehlleistung)
der Zelle zu beobachten ist, die gewöhnlich auch von
morphologischen
Veränderungen begleitet werden. Dies betrifft besonders die
Elemente,
die sich durch ihre respiratorische, metabolische und biosynthetische
Aktivität
auszeichnen.“
Gesundheit wie Krankheit sind aufgrund der Tatsache, daß
wir sowohl
in Gesundheit wie auch Krankheit viele und lange Jahre leben
können,
beides Existenzformen. Selbstverständlich leben wir in Gesundheit
in einer Ausgeglichenheit, die dem Menschen größtes
Wohlbefinden
beschert, wobei diese Ausgeglichenheit ein Balanceakt ist, dessen
instabiles
Gleichgewicht wir jeden Tag von neuem balancieren müssen. In der
Krankheit
leben wir mit einer Dyskrasie bzw. mit einem Unwohlsein in uns selbst
oder
gegenüber unserer Umwelt, weshalb wir Gesundheit mit vollem Recht
als psychisches, geistiges und soziales Wohlbefinden definieren.
Die Psora
Diese Grundform zeichnet sich nun durch die erste dieser
ernährungsbedingten
und funktionellen Veränderungen aus, die eine Zelle, ein Organ,
wie
auch der ganze Organismus erfahren können: den Mangel bzw. das
„Hypo“
in der Ernährung, der Funktion, wie auch in der Erlangung der
Bestimmung
jedes Individuums. Man kann diesen Zustand auch als eine Art Bremse,
eine
Behinderung beschreiben.
Der Mangel:
Da wir in der Psora eine Bremse oder eine Behinderung des Individuums
und seiner gesamten Ausdrucksweise auf der körperlichen und auf
der
geistigen Ebene sehen, resultieren daraus auch die typischen Symptome
der
Psora, wie
• Mangelerscheinungen
• Hemmungen
• Minderwertigkeit
• Zaghaftigkeit
• Kälte oder Impotenz
Das Wesen des Psorikers (Der reduzierte Mensch in seiner
reduzierten
Um- und Inwelt!):
Ein psorisches Kind wird sein Leben mit einem kläglichen Weinen
beginnen, oder vielleicht auch etwas verspätet in der Geburt sein,
ohne daß sich dadurch aber irgend eine Pathologie entwickeln
muß.
Diese Verzögerung ist vielmehr ein typisches Merkmal aller seiner
Reaktionen. Sein ganzes Leben wird sich im Rahmen von Langsamkeit, von
Verzögerung und nur langsamer Annäherung an seine Ziele
abspielen.
Das bedeutet, daß es seine Vorhaben oft nur unbefriedigend oder
unvollständig
realisieren kann.
Seiner Umwelt fällt der Psoriker vor allem durch seine
Hilfebedürftigkeit
auf, die er entweder offen zeigt oder für die übrigen
vielleicht
kaum wahrnehmbar, zu verstecken sucht. Das Verhalten des Psorikers
erzeugt
bei seiner Umwelt das Bedürfnis, ihm zu helfen, ihn zu
unterstützen.
Seine miasmatische Situation läßt ihn eine Erwartungshaltung
einnehmen, die relativ schnell dazu führt, daß sich seine
Umwelt
mit viel Gefühl um ihn kümmert. Mit seinen Gefühlen und
seiner Ängstlichkeit, die sich auf alles in seiner Umwelt
erstreckt
und in allen seinen Handlungen deutlich wird, beeinflußt er seine
Mitmenschen entscheidend. Seine Gemütsäußerungen sind
von
einer gewissen Eigensinnigkeit und Hartnäckigkeit, ganz besonders
aber von seiner Erwartungshaltung geprägt.
Einen eher psorischen Menschen wird man häufiger um Rat fragen,
da man weiß, daß er nachdenken und vieles in Ruhe bedenken
kann. Dies wird ihn dann zum Beispiel auch befähigen, eine gut
durchdachte
und strukturierte Rede zu halten. Oder er kann hervorragende
dialektische
Gedankengänge entwickeln. Er wird ein exzellenter Wächter und
Beschützer, nicht nur materieller Werte, sondern auch von
Tradition,
Geheimnissen und seinen eigenen Projekten sein, wobei er besonders sein
Innerstes zu schützen weiß, immer hoffend, daß ihn die
anderen auch verstehen und unterstützen.
Ein psorischer Zustand kann sehr verborgen existieren, d.h.
mit kaum
wahrnehmbaren Äußerungen von Anomalie oder struktureller
Pathologie,
oder aber er tritt, durch vielfältigste Umweltreize stimuliert,
sehr
deutlich hervor, wie sich auch alle anderen übertragbaren Elemente
so sehr intensivieren und materiell verdichten können, daß
ihre
Ansteckungsfähigkeit deutlich erkennbar wird. Vergessen wir dabei
nie, daß die Natur mit ihrer Heilkraft immer bemüht ist, die
für das Leben des Patienten noch erträglichste Situation zu
schaffen
und zu erhalten. Zusammenfassend im folgenden eine kleine Auswahl an
Symptomen,
die alle in irgendeiner Weise psorisch geprägt sind, immer im
Hinblick
auf die Hauptmerkmale:
• Psychisch gesehen ist die Ängstlichkeit sicher der
für die
Psora besonders typische Gemütszustand.
• Hierzu zählt man auch die Schüchternheit. Verzagtheit,
Minderwertigkeitsgefühle, Sanftmut, und Milde.
• Langsamkeit, besondere Vorsicht und der Wunsch nach Begleitung
zeichnen
den Psoriker ebenso aus.
• Weiterhin bestehen eine gewisse Sturheit, das Gefühl von
Einsamkeit
und der Wunsch sich zu verstecken.
• Mangelnde Initiative und geistige Unsicherheit prägen das Bild.
• Der Psoriker ist eher nachdenklich, bemitleidet sich selbst und
schiebt
viele Arbeiten auf den nächsten Tag auf.
• Er hängt sehr an Traditionen.
• In der Erotik neigt er zu einer eher passiven und kontemplativen
Haltung.
• Schuldgefühle, der beständige Wunsch sich auszuruhen,
Enttäuschung
über sich selbst, Unterwürfigkeit und mangelndes
Selbstvertrauen
kennzeichnen ihn häufig (der gehörnte Liebhaber, der sich
selbst
die Schuld gibt).
• Es ist ein eher langweiliger Typus von weinerlichem Charakter,
versehen
mit einer traurigen Grundstimmung und irgendwie lebensmüde.
• Typische psorische Allgemeinsymptome sind:
• morgendliche Verschlimmerung
• Verschlimmerung durch Kälte
• Erkältungsneigung
• Tendenz zur Anämie und physischen Angst.
• Hervorzuheben ist auch die Verschlimmerungstendenz vor den
physiologischen
Funktionen, wie Essen, Menses, Stuhlgang, etc.
• Alles wird durch Anstrengung schlimmer.
• Das Gewebe ist schlaff, trockene Haut und Schleimhäute
dominieren.
• Der typische Schmerzcharakter ist drückend, wie von einem
Gewicht.
Damit haben auch die Schmerzen des Psorikers irgendwie etwas mit einem
Mangel oder einer Hemmung zu tun. Sie lassen sich immer mit einer
Neigung
des Patienten, sich nicht zu bewegen, sich zurückzuziehen sowie
einer
totalen Reduzierung seiner Ausdrucksmöglichkeiten beschreiben.
• Ebenso ist die Modalität der Kälteverschlimmerung von
seiner
Schwäche ableitbar.
Charakteristika:
Mangel, Hemmung, Versagen, reduzierte Funktion, Minderung,
Schwäche,
Furcht, Defekt, lymphatisch, ungenügende Zellernährung,
Schwäche,
Langsamkeit, Sanftmut, Passivität – Stille, bescheiden,
zurückhaltend,
nachdenklich, gründlich, still, sensibel, verzagt, schamhaft,
scheu,
melancholisch, negative Selbsteinschätzung, gläubig,
angstvoller
Kummer, zögerlich in der Entscheidung, Angst, Beunruhigung, Trauer
über die eigene Schwäche, statt fehlender Schnelligkeit –
Nachdenken,
Verstopfung, Verhaltung, Folgen der Unterdrückung: Schweiß,
Menses, Durchfälle, Farbe: blau, Reaktion auf Aggression: Hemmung,
Kleidung: unauffällig, ordentlich, hinter der Mode zurück.
Sulfur - das typische Arzneimittelbild der Psora
Eigentlich steht der Sulfur- Typ in der Mitte des Lebens und ist vom
Gleichgewicht der Gesundheit am wenigsten weit entfernt. Wenn der
Anfänger
oft in jedem Patienten Sulfur sieht, dann hat er zum Teil recht, denn
da
die Psora das am weitest verbreitete Miasma ist, wird sich im Laufe
einer
Erkrankung fast bei jedem Psoriker eine sulfurische Diathese
entwickeln,
auch wenn er aufgrund seiner Konstitution eigentlich kein Sulfuriker
ist.
Schon HAHNEMANN hat gesagt, daß bei einer nur geringen Anzahl
von Symptomen durch eine Gabe Sulfur die Reaktion in Gang kommt und
dann
meistens das Simile deutlicher sichtbar wird.
Was ist das nun für ein Mensch, der Sulfur braucht? Wie sieht
der Sulfuriker aus? Aufgrund seines umfassenden Wirkungsspektrums sehen
wir im Sulfurbild viele Gegensätze. Meint man beim Sulfuriker eine
Seite erkannt zu haben, so zeigt sich plötzlich eine ganz andere,
und man wird verunsichert. Genauso ist es mit dem Charakter. Sulfur
kann
auf der einen Seite einen überaus positiven Charakterzug
aufweisen,
auf der anderen Seite jedoch in einzelnen Wesenszügen oder sogar
in
seinem Gesamtbild stark zur negativen Seite hin tendieren.
Beim Sulfuriker findet sich als auffälligstes Merkmal die starke
Ich-Bezogenheit. Alles was er tut, auch das Gute, tut er nur, wenn er
sicher
sein kann, Anerkennung zu erwarten. Nie würde er einem Bettler
unauffällig
eine Mark schenken. Wenn er aber für eine Spende zugunsten von
Erdbebenopfern,
bei der er den Scheck sogar noch mit Blick auf die Kamera demonstrativ
überreicht, öffentlichen Beifall erheischen kann, dann zeigt
er sich großzügig.
Sulfur kann über alles mitreden, doch keiner soll dahinter kommen,
daß er eigentlich nur Phrasen drischt. Unter Freunden und in der
Familie muß er der Mittelpunkt sein. Bei ihm besteht die Gefahr,
daß er sich überarbeitet und er plötzlich
zusammenbricht.
Es ist ihm nicht unangenehm, mehrere Dinge auf einmal anzupacken, er
kann
dabei aber leicht den Überblick verlieren. Schnell ist er
enttäuscht,
wenn nicht alles nach seinem Willen geht, dann kann er sich ganz auf
sich
selbst zurückziehen und den Umgang mit anderen meiden. Seine
liebste
Beschäftigung in diesem Zustand ist das schwärmerische
Träumen
und das Bauen von Luftschlössern. Aber man kann ihn leicht wieder
emporziehen, wenn man seinem Ego schmeichelt.
Die eine Seite von Sulfur ist immer der Plethoriker, vital und voll
gezielter Energie. Vithoulkas bezeichnet ihn als den praktischen
Idealisten.
Er braucht weniger die geldliche als die ideelle Anerkennung. Sagen Sie
ihm, wie selbstlos und geistig hochstehend er ist, wird er Ihr bester
Freund
sein.
Darüber hinaus hat Sulfur aber durchaus auch einen Hang zum realen
Besitz. Dabei geht es ihm aber hauptsächlich um die Tatsache des
Besitzens,
weniger um den Wert des Eigentums. Es gibt nichts, was er nicht
gebrauchen
kann. Nie würde er einen rostigen Nagel oder gar ein altes
Kleidungsstück
wegwerfen. Er könnte es ja eines Tages noch gebrauchen.
Auch die übertriebene Sammelleidenschaft fällt auf. Alles
wird gehortet, die Schränke quellen aber vor scheinbar nutzlosen
Dingen.
Aber er weiß in der ganzen Unordnung noch genau, wo sich alles
befindet.
Es ist das organisierte Chaos. Wenn Sie sich einen Sulfuriker zum Feind
machen wollen, können Sie das leicht, indem Sie am Tage vor der
Sperrmüllabfuhr,
die für jeden Sulfuriker ein Alptraum ist, einmal so richtig
aufräumen
und es dann auch noch schaffen, an ihm vorbei die ausrangierten Dinge
auf
Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen.
Was Sulfur einmal hat, möchte er so schnell nicht wieder hergeben
(starke Bindung des Schwefels). Sulfur hat auch einen ausgesprochenen
Sinn
für das Aufspüren von Sonderangeboten und ist sehr
empfänglich
für die verlockenden Versprechungen von Versandfirmen, für
die
die Sulfuriker die besten Kunden sind. Sieht er etwas in einem
Prospekt,
was er meint, einmal gebrauchen zu können, so muß er es
haben,
und zwar sofort. Dabei kann er nicht abwarten, bis die schriftliche
Bestellung
angelangt ist, sondern er hängt sich sofort ans Telefon und
möchte
es sofort haben, am besten noch gestern. Das Fax ist die ideale
Erfindung
für den Sulfuriker.
Schon HAHNEMANN schreibt: „Kann, was er begehrt, nicht schnell genug
erlangen.“
Stellt sich hinterher heraus, daß er es nun doch nicht gebrauchen
kann, erlischt sofort das Interesse. Aber die bestellte Sache wird
keinesfalls
zurückgegeben, sondern verstaubt in einer dunklen Ecke. Im
Zusammenhang
mit dieser Sammelleidenschaft steht auch der Sinn für die durchaus
praktische Idee, im Ferienort oder in Hotels mal die eine oder andere
Toilettenpapierrolle
einzupacken, kein Seifenstückchen bleibt zurück und auch wenn
er Nichtraucher ist, läßt er das Streichholzbriefchen nicht
liegen.
Aber, und da kommen wir zum zweiten Typ, manchmal kippt das Sulfurbild
um, und der Sulfuriker lehnt alles Materielle ab. Das ist der
eigentlich
öfter beschriebene Typ des unordentlichen, zerstreuten Professors,
etwas schmuddelig aussehend, hager, mit nach vorne gebeugten Schultern.
Den „Philosophen in Lumpen“, wie er in der Materia medica bei HERING
als
Charakteristikum beschrieben wird, finden wir heute kaum noch bei
unserer
fast erzwungenen Reinlichkeit und Hygiene. Man muß da schon auf
Kleinigkeiten
achten oder sich den eben beschriebenen Hang zur Besitzwahrung wieder
ins
Gedächtnis zurückrufen.
Ein Sulfuriker ist nie nach der letzten Mode gekleidet. Solange es
noch irgendwie geht, trägt er die ausgebeulten Hosen und das
durchgewetzte
Sakko. Sie sind ein Teil von ihm geworden und wer gibt schon gern einen
Teil von sich selbst weg? Er ist die Crux jeder treusorgenden Ehefrau,
die ihn nun endlich einmal dazu bewegen will, sich neu einzukleiden.
Versucht
er einmal sich elegant zu kleiden, so mißlingt ihm das
gründlich,
da irgendeine Kleinigkeit nicht in das Gesamtbild paßt. Es kann
durchaus
vorkommen, daß er zu einem dunklen Anzug grüne Socken
trägt,
da er vergessen hat, auch die zu wechseln. Und die knallrote Krawatte
ist
nicht immer ein Zeichen für den letzten Modeschrei, sondern eher
für
die Geschmacksverirrung.
Die unreine Haut, die früher oft beschrieben wurde, finden wir
heute auch nicht mehr so häufig, genauso wenig, wie die für
den
Sulfuriker beschriebene Abneigung gegen Wasser, die heute keiner mehr
so
richtig zugeben will. Aufgrund der heutigen vielfältigen sozialen
Bindungen wird auch der im Grunde nachlässige Mensch gezwungen,
sich
intensiver mit der Körperhygiene zu befassen. Und gerade Sulfur
muß
sich aufgrund seiner von Natur aus stärkeren
Körperausdünstung
öfter einmal waschen. Aber er beschränkt sich vornehmlich auf
die Stellen, die es am stärksten nötig haben. Ganz
charakteristisch
dabei ist, daß Waschen im Grunde die Hautprobleme eher
verschlimmert.
Seltsamerweise kann Sulfur, trotz der eigenen Unordnung, trotz des
eigenen Chaos, in seiner Umgebung keinen Dreck und keine Unordnung
ertragen.
Er ekelt sich davor, zum Beispiel in einer nicht so ganz sauberen
Kneipe
ein gezapftes Bier zu trinken. Da trinkt er lieber nichts oder wenn es
geht, direkt aus der Flasche, da er Bier eigentlich gerne mag. Jedes
ihm
vorgesetzte Glas beäugt er erst mißtrauisch, ob es auch
richtig
sauber ist. Stark ist das Verlangen nach Süßem, nach Brot,
Bratensoße,
sowie nach Saurem, zum Beispiel Gurken. Typisch ist auch eine
Hungerschwäche
gegen 11 Uhr, welche durch ein Stück Brot oder einen Riegel
Schokolade
sofort gebessert wird. Überhaupt kann er den süßen
Verlockungen
nur schwer widerstehen. Dieser Typ kann auch nach einem ausgiebigen
Essen
noch eine ganze Tafel Schokolade verputzen. Die Reaktion darauf sind
jedoch
Hautausschläge mit Jucken und Brennen, wobei das Brennen an allen
Körperöffnungen typisch ist. Andererseits wird das
Süße
aber auch bis zu einem gewissen Grade gut vertragen.
Das leichte Erwärmen, Brennen und sogar Explodieren, kann man
bei Sulfur auf alle Lebensbereiche sowohl wörtlich als auch im
übertragenen
Sinne anwenden. Das leichte Sicherwärmen für eine Sache, die
schnell brennende Leidenschaft, sich mit etwas zu beschäftigen,
das
abrupte Ende und schnelle Erlöschen gleicht dem Ausbruch eines
Vulkans.
Sulfur ist leicht gereizt, aber auch schnell wieder zu beruhigen. Da
dieses Feuer in ihm selbst stetig schlummert, liebt er
naturgemäß
keine äußere Wärme, außer trockenes warmes
Wetter.
Bei Sulfur-Kindern zeigt sich das in dem dauernden Kampf mit der
Mutter,
die sie im Winter dazu bewegen will, einen Mantel und eine Mütze
anzuziehen,
was jedoch für den Sulfuriker unerträglich ist. Wärme
verschlechtert
alles, die Füße und der Scheitel brennen. Man muß die
Füße nachts aus dem Bett strecken.
Der Sulfurtyp schläft nicht durch, er hat den sogenannten
»Katzenschlaf«,
das heißt, er schläft ein paar Stunden, wacht auf, ist
hellwach
und schläft dann wieder ein. So geht es die ganze Nacht durch. Am
liebsten liegt er auf dem Rücken und wenn man erfährt,
daß
der Patient regelmäßig vom Stuhldrang aus dem Bett getrieben
wird, muß man Sulfur in die engere Wahl ziehen.
Gegen Alkohol hat Sulfur nichts einzuwenden. Im Gegenteil, es kann
auch mal ein Gläschen mehr sein. Trotz großen Appetits auf
Fett
sind die Sulfurtypen meist nicht übermäßig dick. Und
sowohl
der schlanke als auch der plethorische Typ sind anfällig für
Diabetes. Es besteht oft eine latente chronische Pankreatitis. Mit dem
Brennen und der Hitze geht meistens ein Schweißausbruch einher,
der
die Beschwerden bessert.
Der Sulfurtyp hat rote Körperöffnungen, obwohl er
andererseits
oft eine sehr blasse Hautfarbe hat. Wenn er begeistert von etwas
erzählt,
was ihn innerlich stark bewegt und beschäftigt, bekommt er einen
roten
Kopf mit glänzenden Augen. Dabei ist er wie ein Katalysator, der
alle
in seiner Umgebung mitreißen und begeistern kann und froh ist,
wenn
man ihm mit offenem Mund lauscht. In seine Vorträgen packt er viel
hinein, er meint jedes Problem von allen Seiten beleuchten zu
müssen,
wobei die Vorträge so ausgefeilt sind, daß sie vor
Informationen
bersten. Jeder Satz, jede Aussage in einem Aufsatz muß am besten
noch mit einer klärenden Fußnote versehen werden und alles
soll
so perfekt sein, daß vor lauter Perfektion ein Chaos entsteht.
Einer
unserer berühmtesten Sulfuriker war HAHNEMANN selber, wie man
leicht
an der Lebensgeschichte oder in gewissem negativen Sinn auch am Satzbau
und an den Fußnoten des Organon sehen kann. Um sein Hauptwerk
verstehen
zu können, muß man es daher mindestens dreimal gelesen haben
oder selbst Sulfuriker sein!
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