Die Sykosis HAHNEMANN bezeichnete sie als die Krankheit der Wucherung der
Feigwarzen
und auch der Folgezustände nach unterdrückender Behandlung
der
Gonorrhoe. Er kannte die Tatsache, daß nach der
Unterdrückung
von äußeren Erscheinungen, wie Feigwarzen und Ausfluß,
und nachdem das hierdurch erzeugte Ungleichgewicht einmal in die Tiefe
des ganzen Organismus bzw. zum ganzen Menschen getragen wurde, sich ein
konstitutioneller Zustand entwickelt, den wir als Sykosis kennen. Alles ist Hyper: Die häufigsten Arzneimittel dieser Gruppe: Der Thuja-Typ bietet einige sehr markante körperliche Charakteristika. Das Gesicht sieht fettig und glänzend aus, wie mit Vaseline eingerieben, die Gesichtsfalten sind sehr ausgeprägt, besonders zwischen den Augenbrauen, deren Enden ausgefallen sind. Die Furchen zwischen Nase und Mundwinkel sind sehr tief. Die Lippen sind blaßblau mit einem weißen Querrand, wie wenn man Milch getrunken hätte. Auf der Nase finden sich variköse Erweiterungen der sonst unsichtbaren feinsten Hautvenen. Die Haut zwischen den Nasenflügeln und den Wangen ist entzündet, die Schläfenarterien treten deutlich hervor, ebenso die Venen auf dem Handrücken. Das ganze venöse System ist sehr stark entwickelt. Man sieht Varikositäten an der Unterseite der Zunge und Varizen an den Beinen. Die Haut des Thuja-Kranken ist von schmutzigem ungesundem Aussehen und bietet am ganzen Körper mancherlei krankhafte Zustände: braune Flecken wie bei Lebererkrankungen, Muttermale, Papeln, Knötchen, Höcker, besonders aber warzige und hornige Neubildungen. Der Schweiß ist stinkend, vornehmlich in der Gegend der Geschlechtsorgane, die Kondylome und blumenkohlartige Wucherungen aufweisen können. Das Thuja-Gemüt: Vom Gemüt her ist der Thuja-Patient nicht einfach zu beschreiben, da er sehr verschlossen ist und Informationen scheinbar absichtlich zurückhält. Es ist so, als ob der Patient den Untersucher testen will. Obwohl es um ihn selbst geht, spielt er gerne den Zuschauer und läßt keinen an sich heran. Der Thuja-Patient hat durchaus Gefühle, hat aber Angst, daß etwas passieren kann, wenn er zuviel von seinem Innersten preisgibt. Er ist hart, und dies spiegelt sich sowohl im Gefühlsausdruck, als auch auf der körperlichen Ebene wider durch die harten Tumore. Nie würde Thuja von sich aus seine Krankheitsgeschichte erzählen. Es sei denn, um zu beweisen, daß man etwas bei der Anamnese übersehen hat. Es ist der Typ, aus dem man im wahrsten Sinne des Wortes alles herausquetschen muß und sich dabei doch nicht sicher sein kann, daß er die volle Wahrheit gesagt hat. Dabei ist der Patient früher in der Persönlichkeitsentwicklung anders gewesen, exzessiv sogar, mit dem Verlangen, sich intensiv auszuleben, wobei jedoch durch die gesellschaftlichen Konventionen Grenzen gezogen werden. Daher ging es ihm im Laufe der Jahre in Fleisch und Blut über, seinen wahren Charakter zu verheimlichen, anständig zu erscheinen, sich zu arrangieren, weil er damit einfacher durchs Leben kam. Er hat nicht die Furcht davor, was andere über ihn denken könnten, wie Lycopodium, sondern ist aus rein praktischen Gründen kalt und berechnend. Dabei ist das Element des Zweifels sehr stark ausgeprägt. Erzählt er dem Arzt eine Beobachtung und stellt er fest, daß der Arzt sich nun näher dafür interessiert, wiegelt er sofort ab und versucht seine eigene Beobachtung herunterzuspielen. Andererseits befürchtet er immer und überall das Schlimmste. Er tut so, als ob er sich seiner Sache nie ganz sicher ist und bei fortschreitender Krankheit tut er nicht nur so, sondern er ist sich keiner Sache mehr sicher. Wenn man sich nun als Therapeut seiner Sache nicht ganz sicher ist, und wenn man vermutet, daß der Patient keinen hinter seine Fassade blicken lassen will, muß man an Thuja denken. Bei Fortschreiten der Krankheit lassen die geistigen Fähigkeiten nach. Es werden Worte oder Satzendungen verschluckt. Die geistige Trägheit führt schließlich zu tiefer Niedergeschlagenheit und Unzufriedenheit. Auch entwickeln sich verschiedene fixe Ideen. Typisch ist das Gefühl, eine fremde Person stünde neben ihm und habe Gewalt über ihn. Kopf und Rumpf seien getrennte, ist ein ganz eigentümliches Symptom. Aber am auffallendsten scheint wohl das Gefühl der Zerbrechlichkeit zu sein. Kent sagt, »die Beine fühlen sich an wie Glas«. Merkwürdig ist oft auch die Schilderung, daß sich im Bauch etwas Lebendiges befindet, welches gegen die Bauchdecke tritt. Der Thuja-Körper: Auf der körperlichen Ebene treten, wie schon erwähnt, alle Arten von überschießendem Gewebswachstum auf. Finger und Zehnägel sind häßlich und missgebildet. Die Hände sind feucht, kalt und klebrig schweißig, die Haare sind trocken und an ihren Enden gespalten, die Kopfhaut schuppig. An den Augenlidern sehen wir häufig Gerstenkörner. Es besteht eine Neigung zu Schleimhautentzündungen und Ausfluß aller Art, wobei es dem Patienten besser geht, solange die Absonderung in Gang ist. Scharfe Speisen werden nicht vertragen. Als typisch angesehen wird ein Nagelkopfschmerz, im linken Auge beginnend und seitlich zum Hinterkopf ziehend. (Gallenblasenmeridian!) Als sykotisches Mittel wird Thuja stark durch nasses Wetter beeinflußt. Alle Arten von rheumatischen Schmerzen treten auf, sogar ähnlich dem gonorrhoeischen Rheuma. Bei der akuten Gonorrhoe hilft es jedoch nicht. Es ist eher angebracht bei der Schädigung geschwächter Kinder von sykotischen Eltern, während Medorrhinum besser wirkt bei einer Gonorrhoe in der eigenen Vorgeschichte. Thuja ist tiefer erkrankt als Medorrhinum. Es genügt ein kleiner Schritt, und das Individuum bricht zusammen. Thuja ist sehr zerbrechlich und steht am Rande des Abgrunds. Weitere Leitsymptome sind: allgemeine Frostigkeit, kalte Hände und Füße. Trotzdem fühlen sich die Patienten bei Bewegung an der frischen Luft wohler. Schweiße finden sich nur an den unbedecktem Teilen, im Gesicht, am Hals, auf der Oberlippe. Die linke Seite ist bevorzugt betroffen, zum Beispiel vom Kältegefühl. Ein sehr wichtiges Merkmal: Durchfall nach dem Frühstück wie aus einem Spundloch. Ausgesprochene Verlangen nach Salz, die Abneigung gegen Fleisch, Kartoffeln und Zwiebeln, sowie eine außerordentliche Furcht vor Wind. |
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