Die Tuberkulinie Sie wird dargestellt als selbständige Einheit, die
entstanden ist,
quasi als Verschmelzung von Psora und Syphilinie. Beide Anteile sind
darin
erkennbar, die lymphatische Komponente der Psora, und die
zerstörende
Wirkung der Lues. Obwohl es mehrere Tuberkulinnosoden gibt, je nach
Herstellung
und Ausgangsmaterial, haben sie doch fast alle ein gemeinsames
Grundgerüst
im Arzneimittelbild. Die vielfältige Symptomatik kann am besten verstanden werden, wenn man sich zunächst an den pathologischen Zeichen der Tuberkulose orientiert. Hier sind es zunächst die Zeichen der Schwindsucht, die ins Auge fallen: Rasche Abmagerung, Schwäche, schnell erschöpft, Blässe im Wechsel mit Röte der Wangen, Schweiß bei geringer körperlicher und geistiger Anstrengung, Frostigkeit, fiebrig mit Kälteschauern im Wechsel. Fast alle Organe können befallen sein, besonders jedoch die Lunge, die Niere, die Lymphknoten, die Knochen, die Haut, die Schleimhaut und die Meningen. Je nach Fortschreiten der Erkrankung kann es zu Gewebezerfall mit Kavernen und Knochensequestern kommen oder zu exsudativen Prozessen, wie Pleuritis, Pericarditis, Peritonitis oder verkalkenden Herden. Die Toxinwirkung macht sich vor allein an der Leber und am hormonalen System bemerkbar. Typisch sind Adynamie und Hypotonie sowie Demineralisation und Entkalkung (Wirkung der Parathyreoidea). Eine motorische Unruhe mit Hektik stellt sich ein. Die Toxinausscheidung macht sich in Ekzemen, übermäßigen Schweißen und Katarrhen der Schleimhäute bemerkbar. Hauptmerkmale: Die Liebe und die Miasmen Die Miasmen sind niemals positiv. Wie man anhand der für jedes dieser Miasmen typischen Symptomatologie sehen kann, reflektieren sie alle eine Pathologie oder existentielle Anomalität und können daher niemals eine wohltuende oder positive Situation für das Individuum darstellen. Sie verändern ja die Ausdrucksweise des Menschen in die bekannten drei Richtungen: hemmend, anregend oder zerstörend, weshalb niemals ein positives oder für das Individuum wünschenswertes Resultat zustande kommt. Die Syphilinie repräsentiert immer eine Verachtung für das Leben oder eine Strömung gegen das Leben. Niemals könnte es also wünschenswert sein, sich in einer syphilitischen Verfassung oder einer sykotischen bzw. psorischen zu befinden. Selbstverständlich tritt bei der Syphilis deren destruktive und degenerative Neigung ganz besonders deutlich hervor. Selbst die Psychologie definiert Leidenschaft als einen destruktiven Gefühlsausbruch. Denn auch in der Liebe führt Leidenschaft zur Zerstörung des Liebesobjektes oder in irgendeiner Form zur Aufopferung des Liebenden. Liebe ist das einzige, was den Menschen wirklich adelt und in den verschiedenen Miasmen wird die Liebe unterschiedlich ge- und erlebt. Psora liebt ungeschickt und umständlich. Wenn sie, wie im Falle der Psora nur ungeschickt oder schwierig ausgedrückt werden kann, wird sie weder denjenigen, der sie gibt, noch den, der sie erhalten soll, vollständig begeistern und befriedigen. Das Leben solcher Menschen wird von Warten und Unzufriedenheit geprägt sein. Ängstlichkeit beim Äußern von Gefühlen wird diese Menschen genauso belasten wie das beständige Warten auf eine Antwort. Diese kommt nie oder nur selten, da eben die Befriedigung, die eine solche Antwort motivieren würde, fehlt. Der hastige Liebeshunger des Sykotikers. Bei sykotischen Menschen entstehen Enttäuschungen oft aufgrund überstürzter und unüberlegter Verhaltensweisen. Mit großem Einsatz und in blindem Vertrauen auf seine Möglichkeiten erfährt der Sykotiker Liebe auf reichhaltigste Weise. Es fällt dabei allerdings auf, daß er beim Verfolgen seiner Ziele immer etwas zu eilig und überstürzt agiert. Dabei ist es so, daß das Ziel seiner Liebe nicht nur auf eine Person ausgerichtet ist, sondern sich auf mehrere projiziert. Daher wird das Zustandekommen einer stabilen Bindung sowie vollständiges gegenseitigem Verstehen erschwert oder unmöglich gemacht. Der sykotisch geprägte Mensch wird stimuliert durch die Suche nach immer neuen Möglichkeiten zur Erfüllung seiner Wünsche bzw. Sättigung seiner Sinne. Hierbei erreicht er zwar in vielen Fällen den Gipfel seiner Möglichkeiten, erfährt dabei aber selten volle Befriedigung, da nämlich vor der Erfüllung einer seiner Wünsche sich schon wieder ein anderer anbietet. Er strebt nach immer umfassenderen Wahrnehmungen und neuen Vergnügungen, um seine Möglichkeiten immer wieder zu vervielfältigen. Der Syphiliker liebt mit quälender Leidenschaft. Die
Liebe des
Syphilitikers ist immer von Leidenschaft geprägt und motiviert,
einer
quälenden, heimtückischen und fast versklavenden
Leidenschaft,
die ihn konstant antreibt etwas zu suchen, das nicht existiert. Aus
seiner
Enttäuschung heraus, wendet er sich schließlich gegen die
Person,
die seine Leidenschaft weckte, wie jemand, dem es nicht gelingt, eine
bestimmte
Speise richtig zu genießen, da er immer etwas anderes erwartet
hat
und er die Speise deshalb, selbst wenn sie köstlich ist, wieder
ausspuckt.
Zur Syphilinie gehört auch eine Neigung zu degenerativen und
lasterhaften
Vergnügungen, die in unnatürlichen, fremden, verbotenen oder
perversen Liebesvergnügungen gesucht werden. Aber er kann diese
Dinge
nicht genießen, da er unfähig ist, sie wahrzunehmen und in
eine
entsprechende Befriedigung umzusetzen. Aufgrund dessen bleibt
syphilitische
Leidenschaft eine Leidenschaft, die oft zur Verzweiflung führt,
das
Innere des Menschen zerstört und den Verstand benebelt. Dieses von einem Patienten zu erfahren, ist natürlich
sehr schwierig
und erfordert ein feines Fingerspitzengefühl. Die Miasmen bilden
den
Hintergrund jeder wirklichen Pathologie des Menschen. Sie nicht nur zu
verstehen und anzuerkennen, sondern auch auf schnellstmögliche
Weise
zu behandeln, ist die wichtigste und transzendenteste Aufgabe eines
wirklichen,
eines Homöopathen. |
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