Dieser Begriff wird des öfteren bei Böricke u.a. älteren Homöopathen verwendet! Bleichsucht ist ein krankhafter Zustand, der häufig bei
jungen
Mädchen in den Entwicklungsjahren eintritt. Das Leiden beruht aus
einer Blutentmischung infolge eines fehlerhaften
Ernährungsprozesses,
der wiederum durch schädliche Einwirkungen und ungesunde
Lebensgewohnheiten
aller Art, wie es fehlerhafte Erziehung, vernachlässigte
körperliche
Ausbildung, andauernder Aufenthalt in schlechter Luft, geistige
Überanstrengungen
und seelische Erregungen bei mangelnder oder ungenügender
Körperbewegung,
fehlende Ruhe und Zeit zum Schlafen, falsche Nährweise, Gebrauch
von
Schürleibern, langanhaltende Verstopfung, Selbstbefleckung usw.
sind,
hervorgerufen worden ist. Der Zustand charakterisiert sich durch eine
eigentümliche.
leichenhafte, bisweilen gelbgrünlich schimmernde, wachsartige
Blässe
der Haut, die sowohl aus einer verminderten Anzahl der roten
Blutkörperchen,
als auch daraus resultiert, daß jedes einzelne weniger Farbstoff
enthält, als in seinem normalen Zustande. Das Übel tritt
meistens
zwischen dem 16. und 25. Lebensjahre und häufiger bei Blondinen,
als
bei Brünetten auf. Es kann sowohl ganz urplötzlich eintreten,
als auch nach und nach zum Vorschein kommen, indem das Mädchen
allmählich
seine körperliche und geistige Frische verliert, matt, träge,
traurig, verstimmt, weinerlich, launisch, schläfrig,
überhaupt
unlustig zu allem wird, den Appetit verliert, mager und muskelschwach
wird,
an Herzklopfen, Magenkrampf, Aufstoßen, kalten Füßen
und
Händen und anderen Beschwerden mehr laboriert, um
schließlich
einen ausgebildeten bleichsüchtigen Zustand zur Schau zu tragen. –
Es gibt aber auch eine erbliche Anlage zur Bleichsucht, die sich durch
alle Generationen hindurch bei allen weiblichen Familienmitgliedern
wiederholt.
Die Begleitbeschwerden oder –erschein-ungen der Bleichsucht sind
vielfältiger
Natur. Störungen im Verdauungsapparat sind stets vorhanden und
äußern
sich durch schlechten Mundgeschmack, krankhafte Eßbegierde nach
scharfen,
salzigen, sauren Speisen und anderen Sachen (Kreide u.a.), durch
Appetitlosigkeit,
abwechselnd mit Heißhunger, Aufstoßen, Erbrechen,
Magenschmerzen,
Blähungen, üblen Mundgeruch, Hartleibigkeit usw. Der Urin ist
spärlich, hell und wäßrig, zuweilen einen schleimigen
Bodensatz
enthaltend. Die Geschlechtssphäre wird betroffen und aussetzende,
unregelmäßige oder schmerzhafte Menstruationen. Das dabei
ausgeschiedene
Blut ist entweder schleimig, blaßrot und in Quantität
gering,
oder der Blutabgang ist reichlich, bei abnorm langer Dauer des
Vorganges.
Weißer Fluß ist vielfach vorhanden, ebenso häufig
reichlicher
Haarausfall. – Brustbeklemmungen, Kurzatmigkeit, häufige Katarrhe
der Luftröhre, der Nase und des Kehlkopfes, Herzklopfen, weicher,
kleiner, schneller, wenig gespannter Puls, sichtbares Hüpfen der
Halspulsader
an der seitlichen Halsgegend, ein eigentümliches, sägendes,
blasendes
Geräusch über der inneren Drosselblutader, Nasenbluten und
andere
Symptome mehr kennzeichnen die Beeinträchtigung des
Atemgeschäfts
und des Blutlebens. Nicht selten ist das Fettpolster im
Unterhautzellgewebe
sehr üppig entwickelt, und die verwelkende Haut wird durch die
Gedunsenheit
verdeckt. Findet große Abmagerung statt oder tritt sie im
Verlaufe
des Zustandes hinzu, so ist Verdacht auf Lungentuberkulose vorhanden.
Ebenso
beobachtet man häufig wassersüchtige Anschwellungen, zumeist
an den Augenlidern und den Knöcheln. Bei Bettruhe pflegen diese
Erscheinungen
indessen rasch wieder zu verschwinden. Infolge von Lymphstockungen
entsteht
die oben schon erwähnte Leichenblässe der Haut, insbesondere
im Gesicht und am Halse. Die Haut ist von einer eigentümlichen,
wachsartigen,
wässrigen, durchsichtigen Beschaffenheit, das Gesicht meistens
gedunsen,
Lippen, Zahnfleisch, Zunge, Augenlider und Nasenflügel sind
bleich,
und das Weiße im Auge hat einen bläulichen Schimmer. Am
sichtbarsten
ist die Blässe an den Ohren, wenn auch, wie es im Anfange des
Leidens
noch häufig der Fall ist, die Wangen noch längere Zeit
gerötet
bleiben. Kopf-, Rücken-, Zahn- und andere Schmerzen, kalte
Füße
und Hände, überhaupt Kälte an der ganzen
Körperoberfläche,
leichtes Frieren und Frösteln und noch eine Menge anderer
Erscheinungen,
die alle aufzuzählen es mir an Raum gebricht, machen den
Symptomenkomplex
der Bleichsucht aus, von denen das wichtigste, nie fehlende Symptom
eine
starke Abspannung und großes Müdigkeitsgefühl ist. |
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